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18. Januar 2026

Frank Holzlehner zu Microneedling und rechtlichen Aspekten

In einer unscheinbaren Praxis in Hannover sitzt ein Mann, der seit Jahren gegen Windmühlen kämpft. Frank Holzlehner, Gründer von Vitalaser, hat eine Mission: Er will die Beauty-Branche aufklären über Risiken, die viele lieber ignorieren. Als ich ihn in seinen Räumen treffe, wird schnell klar – dieser Mann hat zu viel gesehen, um noch diplomatisch zu sein.

„Schauen Sie“, sagt Holzlehner und lehnt sich über den Tisch, „ich hatte letzte Woche wieder so einen Fall. Eine junge Frau, Gesicht voller Entzündungen. Sie war bei einer Kosmetikerin, die mit Microneedling gearbeitet hat. Nichts Wildes, hat sie gesagt. Nur ein bisschen tiefer gegangen, damit mehr passiert.“ Er schüttelt den Kopf. „Genau das ist das Problem.“

Wenn Schönheit zur Straftat wird

Die strafrechtlichen Risiken für Kosmetikerinnen sind real und existenzbedrohend. Juristische Fachportale warnen eindringlich vor den Konsequenzen unzulässiger Behandlungen. Was viele nicht wissen: Die Grenze zwischen kosmetischer Behandlung und medizinischem Eingriff ist hauchdünn – und wer sie überschreitet, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern strafrechtliche Verfolgung.

Holzlehner erzählt von einem Fall, der ihm besonders in Erinnerung geblieben ist. Eine Kosmetikerin aus Niedersachsen hatte jahrelang mit Microneedling gearbeitet. Erfolgreich, ihre Kundinnen waren zufrieden. Bis zu jenem Tag, als eine Kundin mit schweren Nekrosen in die Notaufnahme kam. Die Folge: Anzeige wegen Körperverletzung, Berufsverbot, ein Gerichtsverfahren, das sie finanziell ruinierte.

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Das Prinzip hinter den Nadeln

Microneedling klingt harmlos. Winzige Nadeln, die in die Haut eindringen – was soll da schon passieren? Holzlehner erklärt mir das Grundprinzip während unseres Gesprächs mit einer Klarheit, die sofort einleuchtet:

  • Die feinen Nadeln perforieren die Haut kontrolliert
  • Mikroverletzungen stimulieren den Zellmetabolismus
  • Regenerationsprozesse werden aktiviert
  • Spannungsfasern entstehen, die sich zusammenziehen
  • Die Haut wird straffer, Wirkstoffe dringen tiefer ein

„Das Problem“, sagt Holzlehner und tippt mit dem Finger auf den Tisch, „ist nicht die Methode. Das Problem ist die Ausführung. Und vor allem: welche Substanzen man einschleust.“

Er zeigt mir Produktproben, die er von verschiedenen Herstellern erhalten hat. Manche haben klare Zertifikate, andere – nun ja. „Sehen Sie das hier?“ Er deutet auf eine Flasche ohne erkennbares Prüfsiegel. „Das würde ich nie verwenden. Aber ich kenne Kolleginnen, die genau damit arbeiten. Weil es billiger ist. Weil sie denken, es macht keinen Unterschied.“

Die magische Grenze von 0,3 Millimetern

Holzlehner wird präzise, als wir über Eindringtiefen sprechen. „Bis 0,3 Millimeter bewegen wir uns im kosmetischen Bereich. Da arbeiten wir mit zugelassenen Leave-on-Produkten, die auf der Haut bleiben dürfen. Alles ist dokumentiert, getestet, sicher.“ Er macht eine Pause. „Aber sobald Sie tiefer gehen – und glauben Sie mir, das passiert schneller als man denkt – sind Sie im medizinischen Bereich. Und dann brauchen Sie andere Produkte, andere Zulassungen.“

Die Haut gibt nach, erklärt er. Der Widerstand sinkt. Was bei der ersten Behandlung noch 0,3 Millimeter waren, können bei der dritten plötzlich 0,5 oder 0,6 Millimeter sein. Ohne dass die Behandlerin es bewusst bemerkt. „Und genau da beginnt das Drama“, sagt Holzlehner.

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Wenn Sterilität zur Glückssache wird

Das Gespräch nimmt eine ernste Wendung, als wir über Keimfreiheit sprechen. Holzlehner wird lauter, seine Stimme eindringlicher. „Wissen Sie, was mich wirklich wütend macht? Diese Ignoranz gegenüber der Sterilität. Leute denken, ein bisschen Desinfektionsmittel reicht. Das ist grob fahrlässig.“

Er erzählt von Workshops, die er gegeben hat. Von Teilnehmerinnen, die stolz ihre selbst gemischten Seren präsentierten. „Ich habe sie gefragt: Haben Sie ein Testat? Wurde das im Labor geprüft? Ist die Keimfreiheit nachgewiesen?“ Die Antworten waren erschreckend. Achselzucken. Unwissenheit. Oder noch schlimmer: bewusstes Ignorieren.

„Nichts – und ich betone: absolut nichts – darf mit Nadeln in die Haut, ohne dass ein vernünftiges Testat vorliegt. Das ist nicht verhandelbar.“

Die Gesundheitsämter führen regelmäßige Kontrollen durch, doch die Dunkelziffer nicht regelkonformer Behandlungen ist nach Holzlehners Einschätzung erschreckend hoch.

Das Märchen von der sicheren GmbH

„Viele denken, sie sind geschützt, weil sie eine GmbH haben“, sagt Holzlehner und lacht bitter auf. „Das ist ein gefährlicher Irrtum.“ Er erklärt mir die rechtliche Realität: Bei grober Fahrlässigkeit kann man als Geschäftsführer persönlich in Regress genommen werden. Das Privatvermögen ist nicht geschützt.

„Ich habe Kolleginnen erlebt, die nach zwei, drei Prozessen ihr Haus verloren haben. Ihr Häuschen – einfach weg. Weil sie dachten, ein bisschen tiefer arbeiten schadet nicht. Weil sie Produkte ohne Zertifikat verwendet haben. Weil sie die Risiken unterschätzt haben.“

Die Versicherungen, fügt er hinzu, zahlen in solchen Fällen oft nicht. Grobe Fahrlässigkeit ist in den meisten Policen ausgeschlossen. „Dann stehen Sie da: ohne Beruf, ohne Haus, mit Schulden.“

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Die drei goldenen Regeln

Gegen Ende unseres Gesprächs wird Holzlehner konstruktiv. Er will nicht nur warnen, sondern auch Lösungen aufzeigen. Drei Regeln, sagt er, müssen ausnahmslos befolgt werden:

  • Eindringtiefe strikt auf maximal 0,3 Millimeter begrenzen – keine Ausnahmen, kein „nur diesmal ein bisschen mehr“
  • Ausschließlich Produkte mit unabhängigem Labortestat verwenden – keine Eigenkreationen, keine dubiosen Quellen
  • Lückenlose Dokumentation aller verwendeten Produkte und Zertifikate führen

„Das klingt streng“, gibt er zu. „Aber es ist der einzige Weg, sicher zu arbeiten. Der einzige Weg, seine Kunden zu schützen. Und der einzige Weg, seine eigene Existenz nicht aufs Spiel zu setzen.“

Bei Holzlehner Consulting bietet Frank mittlerweile Beratungen für Kosmetikerinnen an, die ihre Praxis rechtssicher aufstellen wollen. Die Nachfrage steigt, sagt er. Langsam dämmert es der Branche, dass die Risiken real sind.

Als ich seine Praxis verlasse, denke ich an seine Worte: „Ich will niemanden erschrecken. Aber ich will auch nicht schweigen, wenn ich sehe, wie leichtfertig manche mit der Gesundheit ihrer Kunden umgehen.“ Es sind Worte eines Mannes, der zu viele Schicksale gesehen hat. Zu viele Existenzen, die an Unwissenheit oder Ignoranz zerbrochen sind. Zu viele vermeidbare Katastrophen.

Microneedling ist kein Teufelswerk. Aber es erfordert Respekt, Wissen und absolute Sorgfalt. Wer diese drei Komponenten mitbringt, kann sicher arbeiten. Wer sie ignoriert, spielt russisches Roulette – mit der Gesundheit seiner Kunden und seiner eigenen Zukunft.

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