Warum Zahnherde chronische Krankheiten auslösen können
Als ich das erste Mal mit Maximilian Prill in seiner Praxis in Hannover spreche, schildert er mir einen Fall, der symptomatisch ist für das, was viele seiner Patienten erleben: Eine Frau, Mitte vierzig, seit Jahren erschöpft, diffuse Beschwerden im ganzen Körper, die kein Arzt richtig einordnen konnte. Verschiedene Fachrichtungen konsultiert, verschiedene Diagnosen erhalten, aber keine wirkliche Besserung. Bis schließlich ein Blick in ihren Kiefer zeigte, was jahrelang übersehen worden war.
Tote Strukturen im lebenden Körper
Prill erklärt mir etwas, das zunächst verblüffend klingt: Die Zahnmedizin ist eine der wenigen medizinischen Disziplinen, die tote Strukturen dauerhaft im Körder belässt. Tote Zähne werden oft als selbstverständlich hingenommen, wurzelbehandelte Zähne gelten als normale Versorgung. In anderen Bereichen der Medizin würde kaum diskutiert werden, ob abgestorbenes Gewebe im Organismus verbleiben sollte.
Was genau passiert bei einem toten Zahn? Das Gewebe im Inneren ist nicht mehr vital, die Durchblutung fehlt, das Immunsystem hat keinen direkten Zugang mehr. Trotzdem bleibt der Zahn im Kiefer. Nach außen wirkt er oft unauffällig, keine akuten Schmerzen, keine sichtbare Entzündung. Doch im Inneren laufen Prozesse ab, die den gesamten Organismus belasten können.
Prill beschreibt es so: Jeden Tag können solche Zähne Schwefelverbindungen abgeben. Die Fachbegriffe lauten Mercaptan und Thioether, umgangssprachlich werden sie auch als Leichengifte bezeichnet. Diese Stoffe gelangen in den Blutkreislauf und müssen vom Immunsystem gepuffert werden. Bei manchen Menschen gelingt das jahrzehntelang ohne spürbare Symptome. Bei anderen reicht schon ein einziger toter Zahn, um das Fass zum Überlaufen zu bringen.
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Störfelder nach Eingriffen
Neben toten Zähnen gibt es weitere Strukturen im Kiefer, die als Störfelder wirken können. Besonders häufig entstehen diese nach Weisheitszahnentfernungen. Prill zeigt mir DVT-Aufnahmen von Patienten, bei denen in der Kieferhöhle Bereiche zurückgeblieben sind, die sich in normalen Röntgenbildern kaum darstellen lassen.
In der biologischen Zahnmedizin fällt in diesem Zusammenhang oft der Begriff NICO, eine Abkürzung für neuralgieinduzierende kavitätenbildende Osteonekrose. Gemeint sind Areale im Knochen, die nach Extraktionen nicht richtig ausheilen, in denen der Stoffwechsel gestört ist und die chronische Entzündungsprozesse unterhalten können.
- Klassische Bildgebung zeigt diese Bereiche häufig nicht zuverlässig
- Symptome sind oft diffus und werden nicht mit dem Kiefer in Verbindung gebracht
- Das Immunsystem kompensiert über Jahre, bis die Kapazität erschöpft ist
- Dann entstehen systemische Beschwerden ohne klare Zuordnung
Genau diese Patienten kommen zu Prill in die Praxis. Menschen, die ein allgemeines Unwohlsein beschreiben, Strömungen im Körper spüren, die sich nicht richtig deuten lassen. Beschwerden, für die es keine eindeutige Diagnose gibt, obwohl verschiedene Fachärzte konsultiert wurden.
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Warum reagieren Menschen so unterschiedlich
Eine Frage, die mich besonders beschäftigt: Warum gibt es achtzigjährige Patienten mit mehreren toten Zähnen ohne spürbare Symptome, während andere schon in jungen Jahren unter massiven Beschwerden leiden? Prill ist ehrlich: Das ist nicht abschließend geklärt. Die individuelle Immunantwort, die genetische Disposition, die Gesamtbelastung des Organismus spielen eine Rolle.
Entscheidend ist aus seiner Sicht, dass nicht automatisch jeder tote Zahn entfernt werden muss. Die Frage lautet vielmehr: Wird dieser Zahn in diesem Körper, in dieser Situation, zum Problem? Genau deshalb arbeitet die biologische Zahnmedizin nicht nach Schema F, sondern individuell und befundbasiert.
Diagnostik als Grundlage für Entscheidungen
Um diese Frage zu beantworten, braucht es mehr als eine klinische Untersuchung. Prill setzt auf eine Kombination aus moderner Bildgebung und umfassender Labordiagnostik. In seiner Praxis steht ein digitales Volumentomographie-Gerät, kurz DVT. Damit lassen sich dreidimensionale Aufnahmen des Kiefers erstellen, die deutlich mehr zeigen als herkömmliche Röntgenbilder.
Der entscheidende Punkt ist nicht nur die technische Möglichkeit, sondern dass Patienten die Befunde gemeinsam am Monitor sehen können. Schwarz auf weiß wird sichtbar, was vorher nur als diffuses Gefühl wahrgenommen wurde. Diese Klarheit ist wichtig, weil sie eine fundierte Entscheidungsgrundlage schafft.
Zusätzlich zur Bildgebung kommt die Labordiagnostik. Blutproben werden in spezialisierten Laboren untersucht, um Hinweise auf Belastungen durch Schwefelverbindungen und andere Marker zu finden. Wichtig dabei: Die Proben müssen korrekt behandelt und gekühlt transportiert werden, damit die Ergebnisse belastbar sind.
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Biologische Sanierung statt dauerhafter Kompensation
Wenn durch Diagnostik klar wird, dass ein Störfeld oder ein toter Zahn tatsächlich zur systemischen Belastung beiträgt, stellt sich die Frage nach der Therapie. Prill spricht von schonend austreiben, ein Begriff, der zunächst ungewöhnlich klingt. Gemeint ist eine Sanierung, die nicht nur lokal denkt, sondern den gesamten Organismus im Blick hat.
Das bedeutet in der Praxis: Tote Zähne werden entfernt, Störfelder im Kiefer chirurgisch saniert, belastende Materialien ausgetauscht. Jede Maßnahme wird so geplant, dass der Körper nicht weiter in die Kompensation gezwungen wird, sondern entlastet werden kann.
Das Ziel ist nicht, den Zahn um jeden Preis zu erhalten, sondern den Menschen als Ganzes zu betrachten und zu fragen, was ihm wirklich hilft.
Individuelle Versorgung nach der Sanierung
Nach der Entfernung eines problematischen Zahns stellt sich die Frage nach dem Ersatz. Prill bespricht mit seinen Patienten verschiedene Optionen: Implantate aus biokompatiblen Materialien, Brücken oder auch herausnehmbarer Zahnersatz, je nach Situation und Präferenz. Wichtig ist ihm, dass die Versorgung zum Gesamtkonzept passt und keine neuen Belastungen schafft.
Die biologische Zahnmedizin arbeitet dabei mit Materialien, die möglichst gut verträglich sind. Metalle werden kritisch bewertet, Keramik bevorzugt. Auch hier gilt: Jede Entscheidung basiert auf Befund und individueller Situation.
Von diffusen Beschwerden zu messbaren Befunden
Was mich an der Arbeit von Maximilian Prill beeindruckt, ist der systematische Ansatz. Patienten kommen mit Beschwerden, die sich nicht richtig deuten lassen, mit Strömungen im Körper, mit chronischer Erschöpfung. Statt diese Symptome als psychosomatisch abzutun oder als unspezifisch zu akzeptieren, sucht er nach messbaren Ursachen.
Die Kombination aus moderner Diagnostik und ganzheitlichem Blick schafft Klarheit. Störfelder werden sichtbar gemacht, Belastungen nachgewiesen, Therapien individuell geplant. Am Ende steht nicht die Vermutung, sondern der Befund. Nicht das Gefühl, sondern die messbare Grundlage für eine Entscheidung.
Für viele Patienten bedeutet das eine Erleichterung. Endlich wird ernst genommen, was sie seit Jahren spüren. Endlich gibt es eine Erklärung für Beschwerden, die vorher niemand richtig einordnen konnte. Und vor allem: Endlich gibt es einen Weg, der nicht nur Symptome unterdrückt, sondern an die Ursache geht.
Die biologische Zahnmedizin, wie Prill sie in Hannover praktiziert, ist keine Glaubensfrage, sondern eine Frage der Diagnostik und der individuellen Bewertung. Sie nimmt den Patienten ernst, schaut genau hin und fragt nicht nur, was zahnmedizinisch möglich ist, sondern was für diesen Menschen, in dieser Situation, der richtige Weg ist.
